Jeder, der nicht dabei war, hat etwas versäumt! So einfach lässt sich die vorzügliche Performance zusammenfassen, die Gabriel Castañeda mit seinem zweiten Solo-Kabarett bei der Aufführung im Lader Kultur- und Veranstaltungszentrum aufs Parkett legte. Simpel formuliert: Castañeda ist ein wahrer Könner seines künstlerischen Tuns und braucht Vergleiche mit großen Bühnenvorbildern nicht zu scheuen.

Ein würziger Abend war es im KVZ Rechelerhaus in Ladis, und schon bei der „Eröffnungsrede“ schoss Gabriel Castañeda, der sich selbst als „Austromexikaner“ bezeichnet, etliche bitterböse Spitzen gegen das ländliche Establishment ab. Was danach in hippem Mehr-Minuten-Takt folgte, war ein Sammelsurium an exorbitant gelungener Darstellung diverser Dorf-Typen und ihrer teils abstrusen, aber deswegen nicht weniger realistischen Lebensphilosophien. Sofern man dies mit einem solchen Wort überhaupt beschreiben darf.

In verblüffend beeindruckender Manier schlüpfte Castañeda während seiner Aufführung ein ums andere Mal in zahlreiche Rollen von Einwohnern aus dem fiktiven Hinterschlapfing und ließ da bezüglich Vorurteilen von jenen, aber auch deren Engstirnigkeit kein Fettnäpfchen offen – in das er zur gelinden Freude des hingerissenen Publikums mit bravouröser Inbrunst (natürlich absichtlich) hineintrat. Pfarrer: „Wir haben die größte Eberesche im Wald gefällt und draus ein Kreuzerl gemacht“, und man habe „den Mädels den Teufel ausgetrieben“ – das sei auch so ein „schöner Brauch“ gewesen. Denn: „Gottes Geschipfe (!) gehören geschitzt“, erklärte der im osteuropäisch-pastoralen Slang schnipsende Pfarrer. Oder: Wenn Mütter mit ihren Neugeborenen „eine Schutzhülle für ihr I-Phone kaufen – das ist Ironie!“. Castañeda sparte freilich auch nicht mit markigen Sprüchen, wie: „Ob Oma, Opa oder Tante – wir stoßen keinen von der Kante!“ Dann nahm der Protagonist wiederum Öko-Weltverbesserer gnadenlos aufs Korn, oder parodierte einen Polizisten in bestem Steirer-Slang samt grammatikalisch verbogenem Amtsdeutsch („Daraus schluss ich …“).

Bestaunenswert, welch phänomenale Sprachvielfalt der „Mexikaner aus Grins“ in seinem neuen Stück offenbart. Manche holprige Sager brächte unsereiner vielleicht nur in angetrunkenem Zustand zuwege (wenn überhaupt). Erinnert wurde der Besucher mitnichten an Kollegen des kabarettistischen Daseins oder jene, die von solchen Zeitgenossen nachgeahmt werden (z.B. Robert Seeger). Oder wie es auf rennenglisch heißt: „Wo kommen wir da hin!“ Nachsatz: „Ja, manch einer gar zu Gazprom!“ Was macht Castañeda aus? Einerseits seine fesselnde Qualität zur Stimmenimitation, andererseits seine durch und durch stark konzipierten szenischen Darstellungen in souveränem Drehbuchstil. Der Grinner ist wahrlich ein Tausendsassa seines Fachs, der auch in musikalischer Hinsicht – wie bei etlichen großartig perfiden Song-Einlagen inklusive urgeilbrillanter Texte – absolut zu überzeugen weiß.

Fazit: Für eine solch gesellschaftliche Persiflage, wie es teilweise vom dumpfen Landtum hierzulande an den Tag gelegt wird, da braucht eigentlich gar nicht viel umgeschrieben werden. Ab und an erlebt man solche Szenen eh in der Wirklichkeit. Trotz alledem gehört schon ein mächtig Maß an Genialität dazu, um ein Programm like „Der Prinz der Provinz“ aus der Taufe zu heben. Castañeda schafft das. Fix ist eines: „Nichts hält länger als ein Provisorium!“ Außer womöglich: „Ålleweil Nudle, de Hure-Nudle!“ Das Oberland hat einen echten kabarettistischen Könner – und der heißt: Gabriel Castañeda.

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