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Archäologische Ausgrabungen in Ladis

„Kultstätte“ in Ladis ausgegraben

Im Zuge der Bauarbeiten des neuen „Alpin-Chalets am Burgsee“ von Familie Netzer wurden Fundstücke ausgegraben, die bis in die Bronzezeit zurückreichen. Diese wurden heute Nachmittag bei einem offiziellen Pressetermin offenbart und von Spezialisten vorgestellt.

Mehr als 20.000 Funde von der Frühen Bronzezeit bis zur Eisenzeit (Hallstattzeit), also ca. 1300 bis ca. 500 vor Christus, wurden bei den Grabungen auf dem Grundstück von Familie Anton und Sonja Netzer an das Tageslicht geholt. „Uns war bewusst, dass wir hier archäologische Funde erwarten müssen, aber dieses Ausmaß überraschte uns doch!“ mit diesen Worten präsentierte unser Altbürgermeister die umfangreichen Fundstücke, welche innerhalb seines Baugrundstücks ausgegraben wurden, beim heutigen Pressetermin direkt vor Ort. Das Baugrundstück liegt laut Raumordnungskonzept in einer Funderwartungszone, und so war es keine Frage, dass die Bauherren bereits zu Beginn der Planungen den Kontakt zum Bundesdenkmalamt aufgenommen haben. Mag. Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamt dankte Familie Netzer für die hervorragende Zusammenarbeit. Er verwies auf die hohe Konzentration an Funden aus vorchristlicher Zeit im Oberen Gericht – aufgrund der klimatisch günstigen Verhältnisse sei eine dauerhafte Besiedlung dieses Raums seit mehr als 3.500 Jahren äußerst wahrscheinlich.

Laut österreichischem Recht steht die Hälfte der Funde dem Grundeigentümer, die zweite dem Finder zu – dies ist in beiden Fällen Familie Netzer, da sie die Grabungen auch in Auftrag gegeben hatte. Familie Netzer will Teile der Funde der Öffentlichkeit im neuen Haus präsentieren. Man ist sehr stolz auf die lange Geschichte des Heimatdorfs und der Gast soll erleben in welchem geschichtsträchtigen Gebiet er seinen Urlaub verbringt, so Alt-Bgm. Toni Netzer. Die archäologischen Grabungen wurden von der Firma Ardis aus Innsbruck durchgeführt. Schon bei den ersten Sondierungen stieß man auf Funde – die wertvollsten und schönsten Stücke wurden bei den ersten Sondierungen gefunden. In weiterer Folge wurden der ganze Hang und der Hangfuß systematisch durchsucht. Mehr als 20.000 Fundstücke aus der Frühzeit, aber nur zwei aus dem Mittelalter waren die Ausbeute. 15.000 Fundstücke waren Tierknochen, vorwiegend von Wildtieren (u. a. von Bären), der Rest von Haustieren. Ein Großteil der Tierknochen wies Bearbeitungsspuren auf, sie waren sicherlich keine Speisenreste, so Archäologe Christoph Faller. Die gesamten Fundstücke müssen nun noch wissenschaftlich aufgearbeitet werden, man hofft dass sich ein Student der Universität Innsbruck dieser Arbeit im Zuge einer Masterarbeit oder einer Dissertation annimmt.

Ursprünglich erwarteten die Archäologen eine Siedlung im Bereich unterhalb des Burghügels. Eine solche kann man jedoch in dem untersuchten Bereich ausschließen. Am Hangfuß konnte aber ein alter Weg gefunden werden. So stellte sich für die Forscher die Frage nach dem ursprünglichen Zweck so reichhaltiger Hinterlassenschaften. Man vermutet einen vorchristlichen Kultplatz, wobei ein Brandopferplatz wie am Gachenblick auszuschließen ist. Man wisse noch recht wenig über die kulturellen Bräuche aus jener Zeit, schlossen die Archäologen.

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